Deutsche Traditionen

Sie sind Teil unserer Kultur. Kindheitserinnerungen. Seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten gefeiert.

Deutsche Traditionen. Geht es Dir gerade auch so wie mir?
Das Wort „Deutsche“ weckt ein irgendwie „unangenehmes“ Gefühl oder?
Ich bin Deutscher. Ich bin hier geboren. Meine Mutter ist Deutsche, mein Vater war Deutscher.
Eigentlich sollte es doch also kein Problem geben. Eigentlich kann ich doch – wie es in vielen anderen Ländern durchaus und absolut üblich ist – patriotisch zu meinem Land und meiner Herkunft stehen ohne ein „komisches“ Gefühl zu haben wenn ich meine Staatsangehörigkeit so offen in einen Blog schreibe.

Ja, eigentlich schon.
Wir sind ein christlich geprägtes Land mit vielen Traditionen, die seit Jahrhunderten gepflegt werden. Wir feiern jedes Jahr christliche Feste, begrüssen das neue Jahr mit viel Feuerwerk, feiern ausgelassen Karneval und selbst das Münchener Oktoberfest ist schon lange Tradition und Teil der deutschen Kultur.
Wir sind das Land der Dichter und Denker. Wir produzieren Waren, die in die ganze Welt exportiert und die auch weltweit geschätzt werden. Wir sind eines der reichsten und produktivsten Länder der Erde. Ja, es gibt viele Gründe, stolz darauf zu sein was wir als Volk erreicht haben. Eigentlich.

„Eigentlich“ deshalb, weil es ja da diese eine Sache gab. Ein Typ aus Österreich, der dem Grössenwahn verfallen war, der einen ethnisch motivierten Krieg gegen die ganze Welt führte. Der millionen Menschen töten liess. Der, der den 2. Weltkrieg iniziierte. Vor nunmehr weit über 70 Jahren. Er hat den Krieg (Gott sei dank) verloren. Hat sich feige in einem Bunker selbst umgebracht. War nicht bereit, zu seinen Verbrechen zu stehen und dafür bestraft zu werden.

Ich wurde 1971 geboren. Ich hatte damit nichts zu tun. Ich habe mir mein Geburtsland nicht ausgesucht. Ich habe mir meine Eltern nicht ausgesucht. Ich wurde in Deutschland geboren. Ich bin Deutscher. Und ich bin weder gewillt noch bereit, demütig mein Haupt zu senken und mich schuldig zu fühlen für das, was der Typ damals verbrochen hat. Ich habe noch nie einen Menschen getötet. Ich bin nicht Juden- oder Ausländerfeindlich. Ich bin nicht einmal „rechts“. Ich bin christlich erzogen worden. Ob ich auch an Gott glaube, steht auf einem anderen Blatt. Und ja, das entscheide ich selbst. Ganz für mich allein.

Genau so, wie diese „Nazi-Keule“ immer wieder und bei jeder sich bietenden Gelegenheit ausgepackt und genutzt wird, werden auch unsere Traditionen in regelmässigen Abständen und in den letzten Jahren deutlich spürbar vermehrt attackiert, kritisiert und in Frage gestellt. Teils mit mehr als nur fragwürdigen Argumenten.

Nehmen wir doch als erstes Beispiel mal Silvester. Seit Jahrhunderten wird das neue Jahr weltweit mit Feuerwerk begrüsst, wobei es traditionell im Grunde darum geht, durch viel Lärm (und Licht) die bösen Geister zu vertreiben damit das neue Jahr gut startet. Nun gibt es die Einen, die seit nun mehreren Jahren wirklich jedes Jahr aufs Neue die Kosten kritisieren. Sie apellieren bei jeder sich bietenden Gelegenheit daran, dass das Geld für Silvesterfeuerwerk doch anderswo deutlich nutzbringender und sinnvoller angelegt sei, z.B. für Obdachlose, „sozial Schwache“, Kinderhilfswerke oder die Krebsforschung. Ich stelle die grundlegende Richtigkeit dieser Aussage keinesfalls in Frage, werden doch allein in Deutschland am 31.12. mehrere Millionen Euro in den Himmel geschossen. Dieses Geld aber, und das ist ja der Knackpunkt, wurde von den Feier- und Feuerwilligen durch Arbeit verdient. Es gehört ihnen. Und somit entscheiden sie auch selbst, wofür sie ihr sauer verdientes Geld ausgeben. Ich kaufe schon seit vielen Jahren kein Feuerwerk mehr. Das ist meine eigene, freie Entscheidung. Genau so wäre es meine eigene freie Entscheidung, würde ich es weiterhin tun. Und ich kann es auch tun, ohne mir von Anderen ein schlechtes Gewissen einreden lassen zu müssen. Denn es ist mein Geld. Ich habe dafür gearbeitet. Ich entscheide wofür ich es ausgebe.

Ein anderer Kritikpunkt, ebenfalls jedes Jahr vor Silvester überall publiziert, kommt von Tierschützern. Sie erinnern uns, zum Teil auch gerne mal durch irgendwelche schon etwas heftigere Bildchen und Slogans, daran, dass unsere Lieblinge, also unsere Haustiere unter der Ballerei an Silvester leiden. Sie haben Angst, sind verstört. Auch diese Tatsache stelle ich keinesfalls in Frage. Wobei ich hier keine Pauschalisierung zulasse, denn es gibt auch Haustiere, die sich an der alljährlichen Ballerei überhaupt nicht stören. Ich bin mit Tieren gross geworden. Wir hatten im Laufe der Jahre viele Hunde und Katzen, die der Krach an Silvester völlig kalt liess.

Nächstes Beispiel und gerade brandaktuell: OSTERN.
Wir feiern an Ostern die Auferstehung unseres Religionsstifters (wenn ich das jetzt richtig in Erinnerung habe). Woher diese merkwürdige Geschichte mit dem Osterhasen und der Eiersucherei stammt entzieht sich meiner Kenntnis und ich gebe zu, ich bin auch zu faul das jetzt zu recherchieren. Es spielt für das Thema ansich aber auch keine Rolle. Auch hier wieder diverse Tierschützer, selbsternannte „Gutmenschen“ und sogar Vereine, die an unser schlechtes Gewissen appellieren wenn wir zu Ostern Lamm essen oder aus böser Massentierhaltung stammende Eier färben und verstecken.

Ich erkenne hier ein recht deutliches „Muster“, eine Masche. Immer wird unser schlechtes Gewissen angesprochen.
Ich könnte die Liste der Feierlichkeiten und kritisierten Traditionen nun ewig weiterführen, käme aber dadurch zu keinem anderen Ergebnis.

Die Kritikpunkte, sofern sie offen angebracht werden, sind in ihrem Sinn und auch der Argumentation in den meisten Fällen nicht falsch oder gar grundlos, sie ändern aber schlussendlich nichts und dienen – so meine Meinung – (zu) oft auch einfach nur der Selbstverherrlichung. Denn wenn ich z.B. Massentierhaltung (völlig zurecht) kritisiere, dann tue ich das nicht nur zu Ostern oder Weihnachten.

Ich glaube, wir müssen hier in Deutschland inzwischen richtig aufpassen, dass wir uns selbst nicht eine völlig neue Tradition schaffen.
Die Tradition, immer und ständig alles zu kritisieren und mies zu machen. Anderen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln an wirklich Allem den Spass zu verderben.

Und bitte, liebe Tierschützer und „Gutmenschen“, die ihr so zahlreich und auf allen Plattformen immer wieder Dinge kritisiert – tut es doch bitte nicht immer nur dann, wenn es euch selbst zum Vorteil gereicht. Denn auch ihr fahrt mit dem Auto zur Arbeit, ihr ernährt euch genau so von tierischen Lebensmitteln, ihr stellt euch selbst Weihnachtsbäume ins heimische Wohnzimmer und stellt euch an Silvester auch ans Fenster um das Feuerwerk der Nachbarn zu bewundern.

Ich habe kein Problem mit Kritik, aber dieses dauernde scheinheilige Genöle und Genörgel hat inzwischen ein für mich nahezu unerträgliches Maß erreicht. Man braucht mittlerweile wirklich schon ein echt dickes Fell, um eure Dauermeckerei noch ignorieren zu können. Rechtfertigen hingegen lässt sich Vieles vom dem was ihr sagt und tut auch mit viel guten Willen nicht.

Lasst die Menschen in diesem Land doch ihrer Tradition frönen, lasst sie feiern und verdammt nochmal essen was sie wollen. Das Leben ist auch ohne euch und eure Miesmacherei für viele Menschen in diesem Land schon schwer genug.

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