Inkasso, Hasso!

Es ist passiert. Eine unbezahlte Rechnung. Mehrere Mahnungen. Und plötzlich Post vom Inkasso-Büro.

Moment. Unbezahlte Rechnung? Mahnungen?! Hab ich echt was vergessen?
Und warum gleich DREI Briefe? Am gleichen Tag?

Ok, erstmal aufmachen, nachschauen.
Aha…. Forderung der Deutschen Telekom… 167,23€. Wieso ist mein Anschluss nicht gesperrt?
Aber gut, zweiter Brief.
Na sowas…. Forderung der Deutschen Telekom… 271,66€. WTF?!
Dritter Brief.
Forderung der Deutschen Telekom… 483,98€.

Alle drei Briefe stammen vom gleichen Inkassobüro.
Alle drei Briefe bzw die jeweils darauf beschriebene (angebliche) Forderung wird unter dem gleichen „Aktenzeichen“ geführt.
Alle drei Briefe sind mit dem gleichen Datum versehen.
In allen drei Briefen wird mir das gerichtliche Mahnverfahren und die Zwangsvollstreckung angedroht. Einziger Unterschied zwischen dem dritten und den anderen beiden Briefen: Hier wird mir als einmaliges Angebot ein Vergleich vorgeschlagen. Ich soll  mit Frist von 2 Wochen einen Betrag in Höhe von 261,10 überweisen und die Sache sei vom Tisch.

Na? Überrascht? Erstaunt? Verwundert?
Willkommen im Club, mir ging es beim ersten Mal genau so.
Ich schreibe „beim ersten Mal“, weil mein Gang zum Briefkasten seit nunmehr über 3 Jahren im unregelmässigen Abstand von einigen Tagen bis mehreren Wochen von diesem „Erlebnis“ gekrönt wird. Die Beträge variieren, wobei hier kein Muster erkennbar ist, denn die Beträge sind mal deutlich niedriger, manchmal höher, aber niemals gleichbleibend. Aber es sind immer drei Briefe. Der gleiche angebliche Gläubiger, immer das gleiche „Aktenzeichen“, immer die gleichen Androhungen gerichtlicher Schritte.

Anruf bei der Telekom. Nachfragen.
Nö, bis auf die aktuelle Rechnung von vor 7 Tagen stehen keine Beträge zur Zahlung offen.

Inzwischen erspare ich mir und den freundlichen Mitarbeitern in der Service-Hotline der Telekom diese Nachfragen.
Ich öffne die Briefe dieses Inkassounternehmens zwar immer noch, zerreisse sie aber dann mit einem Lächeln und ärgere mich über diese beispiellose Papierverschwendung.

 

Ein weiterer Fall
Ich komme vom Einkaufen. Ein kurzer Blick in den Briefkasten zeigt: Ich hatte wohl in meiner Abwesenheit unangekündigten Besuch. Keine Adresse, keine Firma auf dem Benachrichtigungszettel. Nur die Information man hätte mich leider nicht angetroffen, die Bitte um Rückruf auf einer Mobilfunknummer und ein nur schwer lesbarer Nachname. Hm… na dann rufen wir doch da mal an.
Am anderen Ende meldet sich eine Dame, die sich als Aussendienstmitarbeiterin eines Inkassobüros vorstellt und mir sagt, sie sei mit der Eintreibung einer Forderung in Höhe von knapp über 100,00€ beauftragt worden. Sie nennt mir auch den angeblichen Gläubiger, von dem ich noch nie etwas gehört habe. Ausserdem sagt sie, die eigentliche Forderung in Höhe von 19,90€ sei aus dem Jahre 2011. Aufgrund meiner Aussage, mit dem Namen der Firma nichts anfangen zu können, bietet sie mir freundlicherweise an, die Forderung zunächst als „strittig“ abzulehnen. Das Inkassobüro bzw der Gläubiger selbst sei dann in der Pflicht, einen entsprechenden Nachweis über die genannte Forderung zu erbringen. Gesagt, getan.

Einige Tage später erreicht mich eine eMail, in deren Anhang besagter „Nachweis“ zu finden sei. Für das Inkassobüro sei damit der Nachweis erbracht und sie erwarten meine Zahlung binnen 14 Tagen. Ich öffne den „Nachweis“ und kann mich vor Lachen kaum auf dem Stuhl halten.
Zum Einen sieht dieser „Nachweis“ in Form einer Rechnung aus dem Jahre 2011 aus als hätte ihn ein 9 jähriges Kind mit MS Word zusammengeklickt, zum Anderen lässt die auf dieser „Rechnung“ ausgewiesene „Dienstleistung“ namentlich allenfalls vermuten, was genau hier mit 19,90€ in Rechnung gestellt wird.
Als Randnotiz sei an dieser Stelle vielleicht der Vollständigkeit halber noch erwähnt, dass ich in all diesen Jahren nicht eine einzige Zahlungserinnerung, geschweige denn eine Mahnung dieser Firma erhalten habe.

Da kommt also eine mir unbekannte Aussendienstmitarbeiterin eines mir unbekannten Inkassobüros an meine Haustür und will eine Forderung für eine Firma eintreiben, die mir ebenfalls vollständig unbekannt ist. Naja wenigstens die Gebühren/Zinsen für 7 Jahre sind im Verhältnis noch human….

Ich setze mich hin und schreibe eine kurze aber knackige eMail als Antwort zurück.
Sinngemäss erkläre ich den erbrachten „Nachweis“ mangels einer genauen Leistungsbeschreibung, wegen fehlender Unterschrift und aufgrund der ganzen dilettantischen Aufmachung dieses „Schriftstücks“ für nichtig, die Forderung nach wie vor für strittig und verbinde diese Informationen meinerseits mit dem durchaus gut gemeinten Rat, mich mit dieser Angelegenheit nicht länger zu belästigen, natürlich verbunden mit der Nennung möglicher Folgen, sollte mein Ratschlag keinen Anklang finden.

Das ist nun fast ein ganzes Jahr her, ich habe seither weder von dieser Dame noch vom Inkassobüro wieder etwas gehört oder gelesen.

 

Betrug oder doch was Wahres dran?
Leider lässt sich ein Betrug oder ein versuchter Betrug nicht immer sofort und klar erkennen oder gar nachweisen.
Man sollte sich aber generell, egal ob eine Forderung nun berechtigt ist oder nicht, darüber im Klaren sein, dass Inkassounternehmen keine gerichtliche „Hoheit“ besitzen. Sie dürfen weder pfänden noch haben sie ein Recht, die Wohnung eines vermeintlichen Schuldners zu betreten. Auch das Stilllegen eines PKW durch eine Kralle oder ähnliche Maßnahmen (bundesweit bereits mehrfach passiert) ist ohne entsprechenden richterlichen Beschluss nicht zulässig und darf – wenn überhaupt – auch nur von einem Gerichtsvollzieher durchgeführt werden. Die einzigen Mittel, die solchen Unternehmen zur Verfügung stehen sind Einschüchterung und Druck. Sie drohen mit Dingen, vor denen der gemeine „Ottonormalverbraucher“ Angst hat und hoffen einfach darauf, dass mit steigendem Druck durch gesetzte Zahlungsfristen und Androhungen gerichtlicher Maßnahmen der vermeintliche Schuldner zur Zahlung bewegt wird.

Übrigens ist es in dieser Branche nicht unüblich, Gläubigern die Forderung „abzukaufen“. Das bedeutet das Inkassobüro zahlt an den Gläubiger einen Betrag „X“, der meist unter der ursprünglichen aktuellen Forderung liegt, und versucht dann, gepaart mit teils horrenden Gebühren, die Schuldsumme einzutreiben.

Kein Inkassobüro wird so etwas zugeben, es gibt allerdings durchaus nachgewiesene Fälle.

 

Achso und die Telekom?
Nunja, mein Anschluss ist noch immer geschaltet, aktiv und funktioniert problemlos…..

 

 

 

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