Kinder unserer Zeit

Auch wenn ich nun schon so einige Kilometer auf meinem Lebenstacho zurückgelegt habe und die grauen Haare nicht mehr zählen kann, liegt meine eigene Kindheit noch nicht so lange zurück als dass ich mich nicht mehr an sie erinnern könnte und mitunter auch durchaus gerne daran zurückdenke.

Das Leben der Kinder meiner Zeit war erfüllt mit spannenden Abenteuern, dem Nacheifern unserer Helden wie Winnetou, Zorro oder Captain Future und jeder neue Tag war geprägt von aus heutiger Sicht eher lächerlich erscheinenden Problemen und Sorgen. Werte wie Freundschaft, Loyalität, Ehrlichkeit und Respekt waren für uns Wegweiser und notwendig um in der Gruppe, die auch gerne mal als „Bande“ bezeichnet wurde, zu bestehen. Man brauchte mitunter schon Ellbogen um sich durchzusetzen und man hat sie im Bedarfsfall auch genutzt – ohne schlimmere Konsequenzen fürchten zu müssen, denn am Ende hatten sich immer alle wieder lieb.

Kinder in der heutigen Zeit wachsen völlig anders auf.
Es gibt sie nicht mehr, diese Banden oder „Cliquen“, die den ganzen Tag durch Wälder oder Felder streunen auf der Suche nach Abenteuern.
Heute gibt es Handys. Einzelverabredungen. Und die Absage an einen Freund oder eine Freundin, wenn ein anderer Freund oder eine andere Freundin schneller war und man somit ja leider schon verabredet ist. Apropos Verabredung: Früher war es üblich, durch die eigene Haustür zu gehen, bis zu einem Freund zu laufen (oder mit dem Rad zu fahren) um zu fragen ob er/sie rauskommt. Heute nahezu unvorstellbar.

Ich könnte hier jetzt noch ewig so weiter schreiben und auch wenn es so klingen mag, als sei ich mit meinen nun 47 Jahren zu einem dieser Miesmacher mutiert, die mit dem Slogan „früher war Alles besser“ durch die Welt rennen, sehe ich die Sache durchaus differenziert. Natürlich sind heute viele Dinge besser als früher, das steht wohl ausser Frage.

Der Grund für diesen Blogeintrag ist ein Erlebnis der letzten Tage.
Ich stehe hin und wieder an meinem offenen Bürofenster und beobachte für eine Zigarettenlänge das bunte Treiben. Da ich hier ziemlich zentral wohne, gibt es auch immer etwas zu sehen und zu beobachten. Neulich also wurde ich durch lautes Kindergeschrei und Kinderlachen, welches über einen ungewöhnlich langen Zeitraum anhielt, an besagtes Fenster gelockt. Ich sah 4 Kinder (2 Mädchen und 2 Jungen) die offensichtlich einen Riesenspass daran hatten, sich einen Flummi (ein einstmals sehr beliebtes einfaches Spielzeug für Kinder) die Strasse hinauf und auch wieder hinunter zuzuwerfen. Es war wohl die unberechenbare Flugbahn dieses kleinen roten Gummiballs, welche vor Allem die beiden kleineren Mädchen immer wieder zum Lachen und Kichern brachte.

Dieses Bild erinnerte mich an diesem Tag, in der inzwischen so hochtechnisierten Umwelt mit unzähligem elektronischen Spielzeug, in einer Zeit, in der das Handy auch schon bei Kindern und Jugendlichen der Mittelpunkt der Welt zu sein scheint und in der das Erreichen des nächsten Levels in Computerspielen in der Prioritätenliste einen deutlich höheren Stellenwert hat als die Nahrungsaufnahme, an meine eigene Kindheit. Einfach herumtollen, sich bewegen, gemeinsam Spass haben.

Dieses kleine Erlebnis lässt mich hoffen.
Es gibt sie also offenbar doch noch, die Winnetous und Zorros…. irgendwo da draussen.

Danke Kinder, ihr vier habt mir den Tag gerettet.

 

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