Retro Gaming

Retrogaming wird immer beliebter und findet immer mehr Anhänger. Woran liegt das?

Was genau der einzelne Gamer nun als „Retro-Gaming“ bezeichnet, hängt nicht zuletzt von seinem individuellen Alter, oder, anders ausgedrückt, seinem Geburtsjahr ab.

Für mich beginnt das „Computerspiele-Zeitalter“ demnach nicht mit dem guten alten C64 (ihr wisst schon… der „Brotkasten“) dem Amiga 500 oder einige Jahre später gar mit der Playstation 1, sondern doch um einige Jahre früher, nämlich eigentlich mit der Spielkonsole „Atari 2600“ sowie diversen frühen Handhelds, die auf keiner längeren Autofahrt fehlen durften.

In die Jahre gekommene Gamer wie ich (noch immer) einer bin, denken oft mit verklärt-verträumtem Blick an die frühen Tage des eigenen Gaminglebens zurück. An durchzockte Nächte, an unfaire Stellen im sonst doch so geilen Lieblingsspiel, an Weltrekorde bei den digitalen olympischen Spielen oder an den Hass auf den besten Freund, der dieses entscheidende eine Tor mehr schoss und seither keine Gelegenheit ausliess, es dich auch wissen zu lassen.

Wir denken zurück an die Panik in unseren Augen, wenn der eigentlich sehr zuverlässige Joystick „Competition Pro“ völlig unerwartet plötzlich den Dienst verweigerte. An einem Samstag Abend. Und keinen Ersatzjoystick im Schrank. Ich denke an Quadrate und Dreiecke, die ich mit dem Joystick über den Bildschirm bewegte um einen Ball (ebenfalls ein Quadrat) hinter feindliche Linien oder ins gegnerische Tor zu befördern.

Atari 2600 Spielkonsole
Kultkonsole: Die Atari 2600

Die Rede ist hier an dieser Stelle natürlich von einer der ersten reinen Spielekonsolen, bei der die Spiele nicht fest „installiert“ waren sondern durch sogenannte „Cartridges“ oder auch „Module“ geladen werden konnten. Diese Konsole wurde 1977 erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Prozessor taktete mit sagenhaften 1,19 MHz und die Konsole verfügte über 128 Byte Speicher, also 128 Byte RAM. Im späteren Verlauf ab ca 1983 enthielten einige Spiele zusätzlich nochmals 128 oder mehr Bytes RAM im Modul selbst. Insgesamt wurden mehr als 1200 Spiele für das Atari 2600 veröffentlicht, die allerdings nicht alle von Atari offiziell lizenziert wurden. Viele Spiele stammten von Atari selbst, ein führender Fremdanbieter wurde nach 1979 Activision.

Diese Spielekonsole war die erste Spielekonsole im Hause Wansart. Sie „gehörte“ der Familie, wurde aber eigentlich nur von mir und meinen Freunden genutzt. Wir verbrachten im elterlichen Schlafzimmer (dort stand unser Fernseher) viele Stunden mit Spielen wie „Frogger“, „Space Invaders“, „Donkey Kong“, „PacMan“ oder „Missile Command“. Ich weiss heute leider nicht mehr, wie viele Spiele genau ich für diese Konsole besass, aber es sammelten sich über mehrere Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke doch so Einige an. Die Spiele für diese Konsole waren übrigens alles Andere als günstig. Für ein neu erschienenes Spiel wechselten in den meisten Fällen zwischen 70,00 und 130,00 DM den Besitzer.

„Frogger“ auf der Atari 2600 Spielkonsole

Die Faszination in der damaligen Zeit entstand aufgrund der noch sehr eingeschränkten technischen Möglichkeiten nicht aus der überwältigenden Grafik, der Realitätsnähe und wohl noch weniger aus dem Sound. Sie entstand durch die eigene Fantasie. Man musste sich damals vorstellen, dass die drei Striche da auf dem Bildschirm Fussballspieler waren. Dreiecke, die sich ruckartig vom oberen Bildschirmrand auf den Spieler zu bewegten und ihn töteten wenn er sie nicht rechtzeitig abschoss, waren gegnerische Raumschiffe. Ein als leicht verformtes „X“ erkennbares Gebilde war ein Frosch, der zuerst eine viel befahrene Strasse und dann einen gefährlichen, reissenden Fluss überqueren musste um in Sicherheit zu gelangen. Vieles in der damaligen Zeit war der eigenen Fantasie überlassen. Was wirklich faszinierte waren die Innovationen. Die neuen Ideen. Die kleinen Revolutionen. Der technische Fortschritt. Die scheinbar unbegrenzte Kreativität der Spieledesigner und Programmierer.

Der Commodore +4

In meiner Jugend waren neue Spiele noch wirklich etwas Neues und nicht – wie heute leider üblich – nur teils doch recht billige Kopien oder die x-te Fortführung irgendeiner Serie. Natürlich nannte ich in den Folgejahren auch einen Commodore +4 (ein verbessertes Modell des damaligen C16/116, der statt Gummitasten schon eine Kunststofftastatur besass und über 4 fest eingebaute Programme verfügte) gefolgt vom Commodore 64, dem SNES von Nintendo, dem Amiga 500 (+), dem Amiga 600, der Playstation 1 und dem ersten echten PC (Pentium II) mit damals bahnbrechenden 400MHz Taktfrequenz und Voodoo2 3D Beschleuniger Karte mein Eigen. Ebenso fand die legendäre Nintendo N64-Konsole, der Nintendo Gamecube und die Playstation 2 Anschluss an meinen Fernseher. Dennoch hatte man im Laufe der Jahre immer mehr und immer öfter das Gefühl, dass den Entwicklern so langsam die Ideen ausgingen. Mit immer besser werdender Technik stiegen auch die vor Allem grafischen und soundtechnischen Möglichkeiten für Spieleentwickler und so verlagerte sich die Innovation bei der eigentlichen Spielidee immer mehr in den Fokus auf Sound- und Grafikdesign und die Präsentation. Wenn man sich heute mal vor Augen hält, dass zur damaligen Zeit 128 Byte RAM und 1,19 MHz Taktfrequenz ausreichten, um uns gut und lange zu unterhalten, mag man nicht glauben, dass inzwischen mehrere Gigabyte RAM, Mehrkernprozessoren im Gigahertz-Bereich und mehrere hundert Euro teure Grafikkarten notwendig sind, um im Grunde das Gleiche zu tun. Ja, natürlich wächst mit besserer Technik auch der Anspruch der Spieler, immer mehr davon jedoch bekennen sich mittlerweile dazu, „Retro-Fan“ zu sein. Und das aus nahezu immer den gleichen Gründen.

Der bis heute meistverkaufte Homecomputer aller Zeiten: Der C64

Oftmals ist es einfach die schöne Erinnerung an die noch recht unbeschwerte Zeit, in der wir mit Freunden gemeinsam um einen Computer oder eine Spielkonsole herum sassen und versuchten, im jeweiligen Spiel den Sieg zu erringen. Oft aber auch die Erinnerung an endlose nächtliche Stunden, die wir meist damit verbrachten, eine unfaire und nahezu unschaffbare Stelle in einem Spiel hinter uns zu bringen. Viele der damaligen Spiele waren nämlich, was den Spielablauf betraf, 1:1 von Arcade-Automaten adaptiert bzw portiert worden. So blinkte in nicht wenigen Spielen der damaligen Zeit auch am Homecomputer nicht nur die Aufforderung „Insert Coin“, sondern auch der Spielablauf war, wie bei Arcade-Automaten üblich, auf das erneute Einwerfen von Münzen ausgelegt. So gab es in vielen Spielen auch kein erklärtes „Ziel“, keinen „Endgegner“, keinen Abspann. Es ging immer nur darum, möglichst weit zu kommen und eine möglichst hohe Punktzahl zu erzielen, bevor es nach einem gnadenlosen „Game Over“ in die nächste Runde ging. Klassische Beispiele solcher Spiele sind z.B. „Pacman“, „Donkey Kong“, „Outrun“, „Asteroids“  oder auch „Space Invaders“.

Der Nachfolger des C64 und nicht minder populär: Der Amiga 500

Das änderte sich auch erst, als durch besser werdende Technik Spielstände auch gespeichert werden konnten. Mit Einführung des C64 bekamen die Gamer ein Gerät in die Hände, welches (zur damaligen Zeit) absolut bahnbrechende Möglichkeiten bot. Volle 64 Kilobyte RAM, „Sprite“-Technologie und ein Soundchip, der dem Computer nicht mehr nur Pieps- und Summsounds entlocken konnte. Der ansonsten baugleiche grosse Bruder des C64, der C128, bot gleich doppelten RAM-Speicher. Leider wurden nur sehr wenige Spiele für den C128 optimiert. So war es zwar möglich, C64-Spiele auch auf dem C128 zu zocken, jedoch hatte man durch den doppelten RAM-Speicher keinerlei Vorteile – zumindest was die Spiele anging. Der C64 begann seinen Siegeszug im Januar 1982 auf der Winter Consumer Electronics Show, auf der er erstmalig vorgestellt wurde. Bis Ende der 1980er Jahre wurde das Gerät weltweit zwischen 12,5 Mio. und 30 Mio. Mal verkauft. Der C64 gilt daher bis heute als der meistverkaufte Homecomputer aller Zeiten. Übrigens: Der Name „Homecomputer“ wurde bereits einige Jahre zuvor etabliert. Der Begriff umschreibt Computer, die für den privaten Massenmarkt konzipiert, leistungstechnisch begrenzt und nicht für den kommerziellen Einsatz gedacht waren. Sie waren für quasi jederman erschwinglich und boten in der Regel auch und sogar die Möglichkeit, den bereits vorhandenen Fernseher als Monitor zu nutzen – um noch einmal Geld zu sparen für damals sehr teure Peripherie wie Farbmonitore. Da das Medium „Computer“ für viele vor Allem erwachsene Menschen noch etwas völlig Neues war, gab es zu dieser Zeit viele Eltern, die ein solches Gerät nach teils langer Diskussion für ihren Schützling kauften in dem guten Glauben daran, der Computer würde bei den Hausaufgaben helfen. Rein theoretisch hätte er das wohl auch hier und da tatsächlich gekonnt, aber mal Hand aufs Herz: Uns allen ging’s nur um die Spiele, oder?

Unvergessen und noch immer Kult: Turrican II auf dem Amiga

Als Quasi-Vorstufe zum heutigen PC folgte Commodore dann einer konsequenten Logik und führte den Amiga 500 ein. Dieser wurde 1987 auf der CeBit zusammen mit dem Amiga 2000 vorgestellt und besitzt ähnliche Leistungsdaten wie dieser. Zielgruppe für den Rechner waren vor allem Privatanwender mit kleinerem Geldbeutel. Zu Lasten der Aufrüstbarkeit wurde auf ein Desktop- bzw. Towergehäuse verzichtet und stattdessen ein Design gewählt, das dem des Commodore 128 ähnelte. Der Amiga 500 war – mehr noch als der Amiga 2000 – zu seiner Zeit besonders als Spielecomputer beliebt, da Bild- und Tonqualität dem damals üblichen PC deutlich überlegen waren. Während man einem PC noch immer nur Piepstöne entlocken konnte, verfügte der Amiga 500 bereits über einen Soundchip, der 4-Kanal-Sounds ermöglichte. Auch in den grafischen Möglichkeiten war er einem sehr viel teureren PC haushoch überlegen. Der Amiga 500 besass eine mit 7,09 MHz (PAL-Variante) bzw. 7,16 MHz (NTSC-Variante) getaktete Motorola 68000-CPU und 512 KByte Arbeitsspeicher. Dieser konnte mittels zweier Erweiterungs-Slots um 512 KByte und 8 MByte ausgebaut werden, so dass maximal 9 MByte Speicher zur Verfügung standen. Mit dieser damals hochmodernen Technologie stieg auch die Qualität der Unterhaltungssoftware, also Spielen.

Sogenannte „Hybrid-Geräte“ wie der C64 und der Amiga 500 mit denen man spielen, aber eben auch ganz andere Dinge tun konnten, waren bis Mitte der 90er nicht nur beliebt sondern auch vielgenutzt.

Liess Träume wahr werden und war ein echter Zeitkiller: Das SNES von Nintendo

Firmen wie z.B. Nintendo erkannten aber schon recht früh einen gewissen Trend, der immer mehr Einzug in die Wohnzimmer fand. Sie brachten 1991 (in Deutschland erst im August 1992)  eine der ersten reinen 16Bit-Spielekonsolen auf den Markt: Das SNES war der Nachfolger des 8Bit NES und bot Spieleentwicklern völlig neue Möglichkeiten.

Für damals 329,00 DM durfte man dieses Wunderwerk der Technik sein Eigen nennen. Später wurde der Kaufpreis auf 299,00 DM gesenkt. Die Spielelandschaft für das SNES wurde schnell reichhaltig und abwechslungsreich. Das SNES wurde bis 1998 produziert und wurde weltweit ca. 49 Millionen Mal verkauft. Wie viele Spiele für diese Konsole weltweit auf den Markt kamen, kann heute wohl niemand mehr mit Bestimmtheit sagen. Seine Popularität aber ist bis zum heutigen Tag ungebrochen. Nicht zuletzt deshalb richtete sich das Spieleangebot sowohl an Kinder und Jugendliche als auch an Erwachsene.

 

Revolutionär und auch heute noch begehrt: Das N64 von Nintendo

Im Juni 1996 erschien in Japan mit dem Nintendo 64 der offizielle Nachfolger. Einige Monate später kam die Nintendos 64-Bit-Spielkonsole auch auf dem amerikanischen und europäischen Markt heraus. Als Konsole der fünften Konsolengeneration konkurrierte es hauptsächlich mit der Sony PlayStation und dem Sega Saturn, konnte jedoch nur letztere Konsole schlagen. Zum Verkaufsstart waren in Deutschland mit Super Mario 64 und Pilotwings 64 zwei Spiele erhältlich, wenige Wochen später folgten weitere Titel.

Das N64 zeigte mitunter Eindrucksvoll, was uns Spieler in Sachen 3D-Spiele in der Zukunft erwarten sollte.  Mit Super Mario 64 und später Donkey Kong 64 hatte Nintendo zwei waschechte und zudem spannende 3D-Abenteuer am Start, die ich persönlich auch beide bis zum sprichwörtlichen Erbrechen, mit einem zeitweise „offenen“ Daumen wegen des Analogsticks und einem abschliessenden Spielstand von 100% viele Tage und Nächte lang gespielt habe.

Sony Playstation, die mit Abstand erfolgreichste Spielekonsole ihrer Zeit.

Bei allem technischen Fortschritt aber konnte diese 64- Bit-Konsole nicht mit der Popularität und vor Allem dem deutlich reichaltigeren Spieleangebot der direkten Konkurenz-Konsole mithalten. Mit Ken Kutaragi als Vorsitzendem der eigens dafür gegründeten Tochtergesellschaft Sony Computer Entertainment avancierte die PlayStation zur zweiterfolgreichsten stationären Konsole aller Zeiten (104,25 Millionen verkaufte Exemplare weltweit, nur übertroffen vom eigenen Nachfolger PlayStation 2) und stürzte im Bereich Heimkonsolen den einstigen Marktführer Nintendo vom Thron. Diese Konsole wurde von 1994 bis 2006 hergestellt und verkauft. Zum Erfolg der PlayStation hat sicherlich auch beigetragen, dass die Spiele auf CD-ROMs und nicht auf Modulen ausgeliefert wurden, so wie es bei den meisten älteren weit verbreiteten Konsolen der Fall war. Nicht nur waren die Herstellungskosten deutlich geringer, der wesentlich größere Speicherplatz ermöglichte auch den Einbau umfangreicher FMV-Zwischensequenzen und echter instrumentaler Musik mit Gesang, sowie Sprachausgabe in das Spielgeschehen.

 

Natürlich gab (und gibt) es noch weitaus mehr Systeme und Hersteller, ich beschränke mich aber – aus gutem Grund – in diesem Blog nur auf die Geräte, die ich zur jeweiligen Zeit auch tatsächlich genutzt habe. Sie waren Wegbegleiter, Zeitvertreib, Statussymbol und Kultobjekt zugleich. Der technische Fortschritt in diesen nur wenigen Jahren war beispiellos und man staunte nicht selten darüber, was die eigene, liebgewonnene Spielekiste durch immer neue Tricks der Entwickler zu leisten imstande war.

In der heutigen Zeit ist dieser „Zauber“ ein Wenig in Vergessenheit geraten. Längst haben wir uns an realistische Spielgrafik, flüssige Animationen, deutsche Sprachausgabe und orchestrale Sounduntermalung gewöhnt. Ja, wir erwarten all das sogar und beurteilen/bewerten neue Spiele nach diesen oberflächlichen Maßstäben.

Retrogamer wie ich einer bin, verweigern in aller Regel nicht kategorisch die heutigen modernen Spiele. Wir sind auch nicht in den 80ern oder 90ern „stehengeblieben“. Wir reisen nur sehr gerne hin und wieder ein Wenig in der Zeit zurück und geniessen Spiele, die es in dieser oder auch ähnlicher Form heute schlichtweg nicht mehr gibt. Neuauflagen alter Spiele sind sicher eine Möglichkeit, den Zauber der alten Zeit in die moderne Technik zu adaptieren, können aber über mangelnden Tiefgang und oberflächliche Betrachtung nicht hinwegtäuschen. Ein Original bleibt ein Original.

Und jetzt entschuldigt mich bitte, ich werde jetzt meinen Amiga-Emulator anwerfen und als Waffenstrotzender Marine im futuristischen Kampfanzug erneut die Welt retten. REVENGE!

 

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